Pale Moon Resurrection: ein Bier für den Weltuntergang

Für meinen ersten Blogeintrag - in der ersten Version veröffentlicht am 6. Oktober 2025 - wollte ich ein besonderes Bier brauen, gerne auch ein Risiko eingehen. Darum braue ich bewusst nur eine kleine Menge unter 5l.

Ich dachte mir: “Wie haben die Altvorderen eigentlich ihre Hopfensuppe zubereitet?”. Die Antwort: Ohne Hopfen! Vor dem Reinheitsgebot war der Hopfen höchstens eine von sehr vielen möglichen Zutaten und das Grutbier erfreute sich großer Beliebtheit. Das Wort Grut in Grutbier geht auf die verwendeten Kräutermischungen zurück. Die Kräuter brachten die Bittere ins Bier - und manchmal auch Halluzinogene.

Zutaten

Mittlerweile habe ich das ursprüngliche Rezept verbessert. Ich habe mich auch aus Gründen der Verfügbarkeit und Unbedenklichkeit 😉 für folgende Zutaten entschieden:

  • 750g Pilsner Malz
  • 200g Weizenmalz
  • 50g Haferflocken
  • 8g getrocknete Schafgarbe (Blütenstände)
  • 3g getrockneter Rosmarin
  • 2g zerstoßene Wacholderbeeren
  • 1g getrockneter Salbei (sparsam!)
  • 5g getrocknete Orangenschalen
  • 1 Päckchen Trockenhefe (Safale S-K97)

Aber Moment mal, Benni, warum der Name Pale Moon Resurrection? 🌕🧟‍♂️

So ein Grutbier wäre das ideale Gebräu, wenn nach der Zombie-Apokalypse das Bier alle wäre und mein Lieblings-Brauzutatenversender nur eine 404-Seite anzeigt. Das Zeug für mein Bier wächst ja schließlich einfach so in der Natur! Einzig für die Hefe muss ich mir noch was einfallen lassen…

Wie es zum Rezept-Update kam

Das vorliegende Rezept ist eine Verbesserung des Original-Rezepts. Weil mein erster Batch einen eklatanten Schaummangel aufwies, habe ich in das aktuelle Rezept Weizenmalz und Haferflocken aufgenommen. Deren Proteine sollen für einen voluminöseren und vor allem stabileren Schaum sorgen. Bei Erfolg werde ich die beiden Bestandteile dauerhaft beibehalten, auch in anderen Rezepten.

Aber nicht nur die Optik war wenig erheiternd, auch der Geschmack konnte im ersten Versuch nicht überzeugen. Das Bier war zu süß, Bittere suchte man vergebens. Das lag natürlich am fehlenden Hopfen, aber darum geht es ja gerade! Also muss ich den Hopfen ausgleichen, indem ich mehr Schafgarbe in die Würze gebe. Sie hat am ehesten das Potential, Bitterstoffe abzugeben.

Ein Wort noch zur Hefe. Zu viel Süße im Bier kann auch auf eine zu früh gestoppte Gärung schließen lassen. Die Hefe hat ihren Job zu früh eingestellt, oder der Brauer hat ihr einfach nicht genug Zeit gegeben. Damit das auf keinen Fall noch einmal passiert, habe ich die Hefe-Menge verdoppelt - eigentlich sollte ein halbes Päckchen auch genügen… Und last but not least stand mir im zweiten Anlauf der Michi zu Seite. Seiner Geduld verdanken wir einen längeren Gärzeitraum von am Ende gut 11 Tagen (ich hatte zuerst nur 7 Tage gewartet).

die Kräutermischung für das Grutbier
Von links nach rechts: Rosmarin aus dem Garten, Wacholderbeeren, Schafgarbe, Orangenschalen, Salbei aus dem Garten. Alles Bio-Qualität. © silverraybrewing.de

Maischen

Auf insgesamt 1.000g Malz nehme ich in Batch v2 3,5l Wasser, erhitzt auf 50 - 55°C. Das eingerührte Malz bleibt zunächst 10 - 20 Minuten im Topf, bevor ich auf die finalen 62 - 65°C erhöhe. Diese Eiweißrast soll helfen, am Ende einen schönen Schaum zu bekommen. Die Eiweißrast wird heute oft als unnötig beschrieben, weil die Lösung der Eiweiße durch Proteasen schon in der Mälzerei erfolge. Aber nach meinem gescheiterten Erst-Versuch will ich diesen Knopf nicht ungedrückt lassen.

Dann 60min bei 62 – 65°C bleiben und gelegentliches Umrühren im Topf. Kurzes Abmaischen bei 75°C. Die fertige Würze läutern wir einfach durch ein Küchensieb in einen zweiten Topf - bei der kleinen Menge kein Problem. Nachguss erfolgt mit 1l heißem Wasser (auch 75°C).

Kochen

Sobald die Würze kocht, geben Michi und ich direkt die Hälfte der Kräuter dazu. Grund: Mehr Zeit zum Abgeben der Bitterstoffe. Nach 20 Minuten leichtem Köcheln geben wir die restliche Hälfte dazu. Aber nicht einfach so in den Topf, sondern in einem Teebeutel, damit das Ergebnis weniger Trübstoffe aufweist.
Nach weiteren 20 Minuten nehmen wir die Suppe vom Herd nehmen und kühlen sie schnell im Wasserbad auf 20 – 25 °C ab.

Teebeutel mit Kräutern in kochendem Bier
Abenteuerliche Konstruktion - Tee-Eier halten Teebeutel mit Kräutern, während sie an einem Kochlöffel hängen. Ich muss mir ein kleineres Hopfensieb holen! © silverraybrewing.de

Hefe rein

Nun geht es ans Umfüllen: Die Würze kommt in einen sauberen Gärbehälter. Ich habe mir einen kleinen Eimer mit Ablauf zugelegt, hatte schlicht keinen Bock mehr auf die Bierpumpe aus dem Glasbehälter. Dann Auffüllen mit abgekochtem, kaltem Wasser auf 4l. Bis das abgekochte Wasser soweit abkühlt, dauert es immer eine gefühlte Ewigkeit. Darum mein Tipp: Schon frühzeitig ein paar Liter Wasser abkochen und beiseite stellen. Am besten schon vor dem Maischen. Dann wartet ihr weniger lange. Alternativ kann man auch abgefülltes Flaschen-Wasser, still natürlich, hernehmen. Aber bitte nur aus frischen, ungeöffneten Flaschen.

Die (Trocken-) Hefe rehydriere ich beinahe immer, bevor ich sie einrühren. Dazu Hefe auf abgekochtes, noch circa 30°C kühles Wasser geben und noch nicht umrühren. 15 Minuten warten, dann erst rühren und nochmal 15 Minuten warten. Ich verwende 100ml Wasser pro 10g Trockenhefe. Anschließend die Hefe-Flüssigkeit einrühren und dann den Gärspund drauf und ab mit dem Ding in den Keller. Bei mir herrschen dort konstante 18°C.

eine Flasche Schierlinger Pils neben dem Gär-Eimer
Ein wohlverdientes Schierlinger Pils - richtig lecker! Ich bin auch ein Fan des Logos: "Tapfer in der Sache, milde in der Art". Das noch junge Bier darf im Eimer neben den Essiggurken gären. © silverraybrewing.de

Flaschengärung

Nach 11 Tagen ist der Gärprozess zum Erliegen gekommen. Die Messung mit der Bierspindel ergab 14°P OG am Brautag und 4°P an Tag 10. Hier erfahrt ihr, was diese Werte bedeuten und was eine Bierspindel ist. Michi füllt das Jungbier in saubere Flaschen und gibt pro Liter 5g Zucker dazu (damit die Hefe was zu Futtern hat).

Nach satten 18 Tagen des bangen Wartens öffnen wir vorsichtig eine am Abend zuvor eingekühlte Flasche über dem Waschbecken…
Es ist ordentlich Druck auf der Flasche, aber das Grutbier ist nicht zu stark karbonisiert. Positiv fällt direkt der Schaum auf, er hält deutlich länger als in Batch #1. Aber so richtig zufrieden bin ich noch nicht. Schaum-Hebel, an denen ich im nächsten Sud ansetzen möchte: Zugabe von Carapils-Malz, ölhaltige Orangenschale früher dazugeben und die Temperatur bei der Flaschengärung optimieren. All diese Punkte dürften die Schaumbildung positiv beeinflussen.

Aber was ist mit dem Geschmack? Die zuckrig-klebrige Süße von Batch #1 ist verschwunden. Das Ergebnis ist deutlich runder. Trotzdem fehlt hier noch die nötige Bittere. Ich frage mich, wie ich das allein mit Kräutern kompensieren kann?
Eventuell tue ich testweise doch ein wenige Hopfen rein, neben den Kräutern?
Es bleibt ein fast schon kräuterlimonadiges, erfrischendes Getränk, dessen Alkohol man nicht rausschmeckt. Interessant! Mir fehlt zwar noch die nötige Tiefe, aber die Optimierung hat sich gelohnt.

eine Flasche Schierlinger Pils neben dem Gär-Eimer
Das Bier hat eine schöne Farbe bekommen und im zweiten Batch hält auch der Schaum länger. © silverraybrewing.de